Bin ich zu Fett? Kinder-Edition

Geschrieben von Danny T. Schneider

Deutschlands dicke Kinder! Übergewicht ist auch und vor allem ein Problem der jungen Generation. Helfen kann man aber nur, wenn man ehrlich zum Kind und zu sich selbst ist. In dem Artikel über Ursachen von Übergewicht hatte ich auf das grassierende Problem der Fettleibigkeit unter Kindern hingewiesen. Über fette Kinder zu schreiben ist offensichtlich ein heikles Thema, sagt das Internet, dabei sollte doch klar sein, wer die Verantwortung für das Problem trägt. 

 Halten wir fest, es gibt mindestens zwei Lager, die sich in Sachen Ernährung für Kinder gegenüberstehen.

Die eine Seite setzt Fast Food und Süßigkeiten mit einer stetigen Vergiftung der jüngsten Erdbewohner gleich. Die andere Seite hält Ernährungseinschränkungen für die Kleinsten für eine Vorstufe späteren Magerwahns, gerade bei jungen Frauen. Ich verstehe beide Seiten und keine hat recht. 

Zunächst bin ich parteiisch, pro Fast Food sozusagen, weil einige meiner schönsten Kindheitserinnerungen mit Fast Food zu tun haben. Damals war das erste richtige Schnellrestaurant der kleinen Stadt der Haupttreffpunkt aller Jugendlichen. Ich war als Jugendlicher nicht auffallend dick, die absolute Mehrheit der anderen war es auch nicht. 

Die Jugend von heute ist anders. Wie ich in der Infografik bezüglich Fakten zur Ernährung dargestellt habe, stieg die Zahl der übergewichtigen Kinder in Deutschland bis vor circa 10 Jahren rasant an und stagniert jetzt auf hohem Niveau. 

Wenn ich zu fett bin, möchte ich das gesagt bekommen

Der Versuch dicken Kindern zu erzählen, dass sie völlig ok sind, löst das Problem nicht, sondern verstärkt es. Die Naivität mancher Eltern erklärt, warum es zwischen Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen oft zu Kommunikationsproblemen kommt.

Als wenn das Kind nicht ständig soziale Rückmeldungen bekommen würde, verbal und nonverbal, die eine ganz andere Geschichte erzählen. Im Ergebnis hat das Kind den Eindruck, dass Eltern nicht nur die Probleme von Kindern nicht verstehen, sondern auch völlig inkompetent sind, wenn es um Lösungsstrategien geht. Zu Recht. 

Man ist entweder Teil der Lösung oder Teil des Problems

Wem hilft man wirklich, wenn man einem übergewichtigen Menschen nicht sagt, dass es Zeit für Veränderungen ist? Ganz klar, in erster Linie sich selbst. Man scheut den Konflikt und den Aufwand, die mit dieser Aussage einhergehen. Es ist ein Auswuchs der um sich greifenden Harmoniegesellschaft, die niemandem, niemals die Wahrheit sagen möchte, wenn damit Konfliktpotenzial einhergeht. 

Ich sage: Jemand, der Verantwortung für einen anderen Menschen trägt, sei es als Eltern, Verwandter oder Freund, hat diese Option einfach nicht. 

Es hat auch nichts mit Magerwahn oder der Modelindustrie zu tun, wenn man die sozialen Chancen seines Kindes verbessert und das Risiko von Folgeerkrankungen minimiert. Nun könnte man etwas sarkastisch anbringen, dass durch die zunehmende Fettleibigkeit der Kinder ein neuer Normalzustand, nämlich das übergewichtige Kind, geschaffen wird, der Ausgrenzung schwerer macht. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein schlanker (nicht magerer!) Körper mit Aktivität, Leistungsfähigkeit und sogar Kompetenz im Beruf gleichgesetzt wird. Es sei denn, man ist Würstchenbudenbesitzer. 

 

Essensverbote bei Teenagern? - viel Glück!

Das andere Extrem, die Verteufelung von Nahrungsmittelgruppen, ist gut gemeint und völlig aussichtslos. Selbst Erwachsenen, die mit einem gefestigten Charakter die Ernährungsproblematik intellektuell vollständig durchdrungen haben, fällt es schwer, den eigenen Erkenntnissen Taten folgen zu lassen. Wer versucht, übergewichtige Teenager durch Verbote auf Linie zu bringen, sollte eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen. 

Dicke Teenager

Was nicht im Haus passiert, passiert dann eben außer Haus und es ist seltener die Generation Ü40, die in der rasant gewachsenen Zahl an Schnellrestaurants zu finden ist. 

Sinnvoller als Verbote und Dramatisierungen ist das Aufzeigen von gangbaren Handlungsalternativen mit Aussicht auf Erfolg. Dicke Kinder sind nämlich zumeist nicht besonders gerne übergewichtig und hinter der renitenten Fassade versteckt sich nicht selten Unsicherheit. Oft ist es der mangelnde Glaube an die eigenen Fähigkeiten, der dafür sorgt, dass jegliche Vorschläge von Elternseite rundweg abgelehnt werden.

Dramatisierungen helfen nicht weiter

Halten wir fest: weder bekommen die lieben Kleinen einen psychischen Knacks, wenn man ihnen sagt, dass sie zu viel auf den Rippen haben, noch haben Verbote Aussicht auf Erfolg. Beides sind im Kern nur Wege, mit denen sich das soziale Umfeld vor der Verantwortung für das Problem drücken möchte. 

Wer wirklich helfen möchte, sollte sich von allerlei kurzfristigen Ansätzen verabschieden, Radikallösungen und Machtworte bleiben lassen und sich anhand folgender Regeln orientieren: 

Ernährung ist keine Religion

Der Versuch, in einem so alltäglichen Feld wie Ernährung alles richtig zu machen, kann nur in einem von zwei Szenarien enden. Entweder die Person entwickelt eine psychische Abhängigkeit von Fragestellungen zur Ernährung, man spricht hier von Orthorexia nervosa oder man gibt über kurz oder lang auf und fällt nicht selten in alte Verhaltensweisen zurück.

Denn das ist nun mal die Seele eines solchen all-or-nothing Ansatzes: entweder man hält für immer durch oder scheitert kläglich. 

Dabei sollte jedem denkenden Menschen klar sein, dass es keinen Bereich des Lebens gibt, in welchem man alles richtig macht. Das gilt übrigens auch für die oben genannte Religion. Nahrungsaufnahme zum Steuerungselement des Lebens zu erheben, lässt diesem eigentlich ganz angenehmen Vorgang einen Wert zukommen, den er nicht haben kann. 

Einen Burger zu essen oder nicht ist keine Charakterfrage 

Wer die perfekte Ernährung als Ausgangspunkt nimmt, kann nur verlieren. Jede Tüte Chips, jeder Burger ist ein Versagen und in der Konsequenz kann selbst das kurzfristige Vergnügen einer schnellen Mahlzeit nicht genossen werden. Dabei sollte der Einstieg in eine bessere Ernährung eigentlich umso leichter sein, je schlechter der Status Quo dieser Ernährung ist.

Neukunden im Fitnessstudio fragen häufig nach den ausgefeiltesten Trainingsmethoden und besten (was immer damit gemeint ist) Studiogeräten für einen schnellen Trainingserfolg. Die Trainer versuchen dann schonend ihnen beizubringen, dass sie sich in einem Zustand befinden, in dem praktisch jede Form von körperlicher Aktivität ein echter Schritt nach vorne ist und das Konsistenz in den Bemühungen das oberste Ziel sein sollte. 

Bei der Ernährung läuft das ähnlich. Wenn ein Kind zu dick ist, ist das nie das Ergebnis eines einzigen Fehlverhaltens in der Ernährung, im Gegenteil läuft wahrscheinlich so einiges schief. Es hilft also nichts, die perfekte Ernährung als Ausgangspunkt zu nehmen, von welcher man dann unweigerlich Schritt für Schritt Abstriche machen muss – praktisch jede Diät läuft so ab. 

Stattdessen ist es ratsam, das derzeitige Essverhalten als Ausgangspunkt zu setzen und von hier aus Schritt für Schritt besser zu werden. So gewinnt man in jeder Woche, in der man es schafft, gezuckerte Getränke zu vermeiden oder nur zweimal wöchentlich auswärts zu essen. Kleine Schritte führen zu ersten Erfolgen führen zu mehr Motivation führen zu mehr Schritten. 

 

Schlaf ist nicht verhandelbar

Manche Menschen in der Fitnessbranche diskutieren darüber, ob richtige Ernährung oder körperliche Aktivität entscheidender für das Körpergewicht ist. Meiner Meinung nach schafft es die körperliche Aktivität, so wie sie in der modernen Gesellschaft verstanden wird, noch nicht mal auf Platz zwei. Es fällt mir als Vertreter der Fitnessbranche ein wenig schwer, das zuzugeben.

Nach der Ernährung ist Schlaf der wichtigste Erfolgsfaktor, um Körperfett abzubauen. Warum bin ich dieser Meinung? Weil mir der Einfluss der Hormone auf den Fettstoffwechsel bekannt ist. Kaum etwas beeinflusst diese Hormone so positiv, wie gesunder Schlaf.  

Schlaf Kinder Hormone

Die Auswirkungen von gravierendem Schlafmangel sind, kurzfristig jedenfalls, die gleichen, die bei konstanter Fehlernährung über einen längeren Zeitraum zu beobachten sind. Der Blutdruck steigt, genauso wie das Insulin, welches für eine vermehrte Fetteinlagerung sorgt. Weitere negative Folgen sind ein konstant hoher Cortisolspiegel und die vermehrte Ausschüttung des Hungerhormons Ghrelin. 

Wer morgens wie in einem Nebel erwacht und nicht nur starken Kaffee, sondern auch Zucker benötigt, um überhaupt in die Gänge zu kommen, hat zumeist schlecht geschlafen, so viel ist auch dem Laien bekannt. Weniger bekannt sind die hormonellen Zusammenhänge, die zu diesem Zustand führen. 

Üblicherweise bringt unser Körper sich nämlich morgens selbst in Gang, indem er zum Zeitpunkt des Aufwachens große Mengen Cortisol produziert. Ist der Cortisolspiegel, auch aufgrund des mangelnden Schlafs, allerdings chronisch erhöht, funktioniert dieser Prozess nicht. Es wird also Kaffee benötigt, um dem Körper künstlich, von außen Stress zuzufügen. 

Die Schwankungen des Insulins und der Anstieg an Ghrelin sorgen darüber hinaus dafür, dass gleich morgens schnell verfügbare Kohlenhydrate benötigt werden. Ich selbst habe einige Zeit mit einem Menschen zusammengelebt, der morgens wie schlafwandelt zu einer Tüte mit Schokokeksen marschiert ist, bevor er überhaupt als wach durchgehen konnte. Ein Paradebeispiel für die Macht der Hormone. 

Wenn die aufgeklärte Gesellschaft Computerspiele als Ursache für fette Kinder identifiziert, dann hat sie damit teilweise recht, allerdings weiß sie, wie ich der Diskussion entnehme, selbst nicht hundertprozentig warum. Es ist weniger die andauernde sitzende Haltung, die Kinder und Jugendliche übergewichtig werden lässt, auch wenn diese selbstverständlich zum Problem beiträgt. Viel entscheidender ist die Tatsache, dass häufig bis spät in die Nacht gezockt wird, wodurch effektiver Schlaf nicht mehr gegeben ist. 

Spielzeiten am Computer auf eine Stunde täglich zu begrenzen hat aus meiner Sicht genauso viel Aussicht auf Erfolg, wie anstatt der Gummibärchen Selleriestangen für den Fernsehabend bereitzulegen. Das letzte Mal, als ich ein modernes Videospiel gespielt habe, brauchte ich schon 20 Minuten, um alle notwendigen Einstellungen vorzunehmen. 

Stattdessen sollte die reine Spielzeit flexibler gehandhabt, dafür aber ein nicht verhandelbarer Endzeitpunkt festgelegt werden. Überhaupt ist die Ansage, mindestens acht Stunden vor dem Zeitpunkt des Aufstehens nicht mehr auf einen Bildschirm zu starren, vielleicht eine der wirksamsten Maßnahmen, die man übergewichtigen Kindern an die Hand geben kann. 

Auch mit dieser Methode gilt: es werden keine Verbote ausgesprochen, die auf lange Sicht ohnehin nicht einzuhalten sind und es wird keine Aktivität in Bausch und Bogen verdammt. Es wird lediglich ein fixer Rahmen um die Aktivität gesetzt.

 

Führen kann man nur durch Vorbild

Sobald die Sehkraft einigermaßen entwickelt ist und andere Menschen als eigenständig agierende Körper wahrgenommen werden, tun Kinder was sie sehen. Im Gegensatz zu kompulsiver Nahrungsaufnahme ist diese Eigenschaft fest in unserem Wesen verdrahtet. 

Unter anderem auch deswegen hieß es damals bei der Bundeswehr “Führen durch Vorbild”: Mute den untergebenen Soldaten nur die Dinge zu, die du selbst bereit bist zu leisten. Das hat natürlich nicht immer funktioniert, aber das Prinzip hat dennoch seine Gültigkeit.

Das Übergewicht von dicken Kindern wird oft mit den Genen der ebenfalls übergewichtigen Eltern begründet. Dabei wird allerdings außer Acht gelassen, dass erstens die Epigenetik eine entscheidende Rolle spielt und dass zweitens das Essverhalten von Kindern erlernt ist. Auch und vor allem dann, wenn Essen nicht allein der Nahrungsaufnahme dient, sondern als emotionaler Stützpfeiler missbraucht wird. 

Ist das Kind erstmal im Brunnen, beziehungsweise übergewichtig, ist jahrelanges Fehlverhalten natürlich nicht umgehend reversibel. Dennoch können Eltern und das soziale Umfeld Maßnahmen treffen, um die Ernsthaftigkeit des Vorhabens zu untermauern. 

Eine kurze Überprüfung der eigenen Ernährung dürfte bei den meisten Eltern von Kindern mit problematischem Essverhalten einige Optimierungsmöglichkeiten zutage fördern. Selbst, wenn dem nicht so ist: wer selbst verzichtet, sei es auf minderwertige Nahrung, Alkohol oder Zigaretten, macht sich in den Augen eines jeden Kindes glaubwürdiger. 

Mir ist klar, dass diese Herangehensweise deutlich mehr Probleme aufwirft, als dem fetten Teenager alle paar Tage zuzurufen, er oder sie solle doch mal was vernünftiges essen. Ich mache mir da keine Illusionen und habe genug Menschen an Ernährungsumstellungen scheitern sehen, um zu wissen, dass dies ein großer Eingriff in den Alltag ist. Das ist es für das betroffene Kind aber auch, vor allem dann, wenn es, ohnehin schon hormongesteuert, mit den oben genannten Problemen im Hormonhaushalt zu kämpfen hat. 

Liebe Eltern, Freunde und Verwandte von dicken Kindern: verniedlicht kein Problem, wenn es nicht niedlich ist. Spart euch Sätze, wie “das kann jawohl nicht so schwer sein”. Macht klar, dass es selbstverständlich schwer ist – auch für euch! Führt durch Vorbild, gewinnt oder scheitert gemeinsam. 

 

Strategie ist wichtiger als kurzfristiger Erfolg

Die Frage “Bin ich zu fett?” würden einige Kinder und Jugendliche für sich pauschal mit “ja” beantworten, darunter leider auch einige, deren Körpergewicht sich völlig im normalen Rahmen bewegt. Viele Betroffene und nur gefühlt Betroffene verbindet, dass Eigenschaften wie das Körpergewicht schnell zum Teil des eigenen Charakters erhoben werden. Diese Sichtweise hat nachhaltige Auswirkungen auf die zur Verfügung stehenden Problemlösungsstrategien. 

Wer Kinder hat oder sich noch an seine eigene Jugendzeit erinnern kann, wird wissen, dass emotionale Übertreibungen ein fester Bestandteil des Erwachsenwerdens sind. Rationale Reflektion ist nicht unbedingt eine hervorstechende Eigenschaft von Heranwachsenden. Leider hat das auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Problemen wie Übergewicht. Hat man sich erst als “die Dicke” definiert – oder ist als solche definiert worden – scheint es keinen Ausweg aus der Situation zu geben. Körperumfang scheint, ähnlich wie die Körpergröße, etwas Unveränderliches zu sein. 

Die Aufgabe von Erwachsenen ist es, das rationale Element in das Problemfeld einzubringen. Dazu gehört natürlich, dass man sich zunächst selbst Gedanken macht, wie das Problem zu lösen wäre und nicht erst im Gespräch Strategien entwickelt. Gleiches gilt übrigens für alle Gespräche über Essstörungen. 

Abnehmen Strategie Eltern

Dabei ist es entscheidend, die Wahrnehmung der betroffenen Person zu verändern und die Attraktivität von Teilerfolgen herauszustellen. Der Weg von ich bin fett (als Person) zu ich bin eine Person mit einem (lösbaren) Problem beginnt mit einem ersten Schritt. 

Damit dies gelingt, sind realistische Minimalschritte zu erarbeiten, wie sie in diesem Buch beschrieben sind. Unterschwellig, aber konsistent heißt die Zauberformel. Es ist wesentlich wichtiger einen Minischritt zu etablieren, anstatt mit großen Schritten zu scheitern. Dann liegen eben vier oder sechs Wochen zwischen jeder weiteren Ernährungsumstellung – na und? Wie viele Jahre besteht das Problem schon?

Wie immer rate ich davon ab, “leckere Rezepte” aus dem Internet herunterzuladen. Es sei denn man ist sich sehr sicher, dass diese auch regelmäßig Anwendung finden. Meine persönliche Erfahrung ist, dass solche Rezepte eine hohe Wertigkeit in Abnehmkonzepten genießen, ihre realen Auswirkungen im Alltag aber relativ gering sind. 

Statt zwei- bis dreimal irgendwelche einladenden Sternstunden der gehobenen Küche zu veranstalten, sollte man auf Veränderungen im täglichen Leben achten. Mit ein bisschen Geschick werden diese kaum bemerkt und summieren sich nach einiger Zeit zu einem waschechten Abnehmkonzept.

Dafür muss man übrigens keine Bücher kaufen (noch nicht mal die hier beworbenen) oder sonst wie Geld investieren. Ein Blatt Papier, auf dem möglichst umfassend alle Ernährungssünden ehrlich(!) dokumentiert werden, reicht für den Anfang völlig aus. Daraus ergeben sich erste Schritte wie von selbst. 

 

Helfen können nur die Starken

Womit ich noch mal zum eingangs geschilderten Punkt zurückkomme: wer einem Kind oder Teenager beim Abnehmen helfen will, muss selbst seine stärkste Seite zeigen. Halbgare Drohungen und nörgelnde Ermahnungen bringen ebenso wenig, wie stilles Einverständnis. 

Vor allem der Hang zu einer trügerischen Harmonie in der Beziehung führt oft zu einer Co-Abhängigkeit, wie man sie aus anderem Suchtverhalten kennt. Schneller als man denkt sind Mama oder Papa nicht nur Beschaffer des Stoffs, weil im Supermarkt ständig nachgegeben wird. Sie geben sich auch alle Mühe, den Zustand des Kindes nach außen zu rechtfertigen und jede Form von Kritik zu neutralisieren. 

Leider leistet die Gesellschaft dabei oftmals willkommene Schützenhilfe. Wohlmeinende und notwendige Kritik wird schnell als Fat-Shaming deklariert und als unzulässiger Angriff aufgefasst. Nicht selten sieht man sich selbst Anschuldigungen ausgesetzt, man würde helfen ungesunde Rollenmodelle zu etablieren. 

Als wenn es zwischen fetten Kindern und klapprigen Models wirklich keine gesunde Mitte geben würde. 

Ein jeder möge sich selbst prüfen, inwieweit er oder sie hilft, den Status Quo eines übergewichtigen Kindes beizubehalten. Und sei es nur, um nicht über die eigenen Defizite in Sachen Ernährung nachdenken zu müssen. Echte Hilfe kann nur von Menschen kommen, die das Wohl des anderen über eine trügerische Harmonie stellen. 

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