Buch-Review: In aller Munde - Biologische Zahnmedizin

In der vergangenen Woche ging es bereits um Zahnschutz und daraus resultierende Vorteile beim Fitnesstraining. Wer hätte gedacht, dass sich so schnell ein Thema findet, dass diese beiden Bereiche noch einmal verbindet? Tatsächlich ist das neue Buch von Dr. Dominik Nischwitz “In aller Munde – Biologische Zahnmedizin” aber nicht nur für Sportler interessant, die ihre Leistung verbessern wollen, sondern auch für Menschen, die sich seit Jahren mit Rückenproblemen, Bewegungseinschränkungen und ähnlichem plagen. Gerade für Menschen mit chronischen Beschwerden ist “In aller Munde”, auf Amazon erhältlich, absolut lesenswert.

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Was ist biologische Zahnmedizin?

Im Kern berichtet Dr. Nischwitz von seiner besonderen Sichtweise auf die Zahnmedizin: was von vielen Kollegen als reines Handwerk betrachtet wird, ersetzt er in seiner Praxis durch eine ganzheitliche Sicht auf den Körper als in sich vernetzten biologischen Organismus. Erkrankungen und chronische Beschwerden, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Zahnmedizin zu tun haben, können, seiner Lesart zufolge, überraschend oft mit Problemen im Mundraum erklärt werden. Dabei kommt es uns als Fitnessenthusiasten zugute, dass auch der Zahnarzt sehr auf seine körperliche Gesundheit und Fitness achtet. Trotz ausreichend Sport, guter Ernährung und natürlich bester Zahnpflege fand er sich dennoch eines Tages mit chronischen Nackenschmerzen, Hautausschlag und  allgemeiner Niedergeschlagenheit wieder. Was war passiert?

Zunächst tat er was wir alle tun, wenn wir uns plötzlich chronischen Beschwerden ohne erkennbare physiologische Ursache ausgesetzt sehen. Ignorieren. Auf den Stress schieben. Irgendwie damit leben. Ein befreundeter Zahnarzt nötigte ihn schließlich eher routinemäßig zu einer eingehenden Untersuchung seines Mundraums und stellte tatsächlich ein “Störfeld” fest. Dort wo Nischwitz schon vor geraumer Zeit die Weisheitszähne gezogen wurden, war der Kiefer von starkem Knochenabbau befallen.


Kleiner Exkurs: Was ist NICO?

NICO ist die Abkürzung für Neuralgie induzierende Kavitäten bildende Osteonekrose. Hierbei handelt es sich um chronisch entzündete Bereiche im Kieferknochen, welche im fortgeschrittenen Stadium zu einer Auflösung der Knochenstruktur im Kiefer führen. Typischerweise tritt die Osteonekrose nach Komplikationen im Zuge der Entfernung eines oder mehrerer Zähne auf, hier besonders im Bereich der Weisheitszähne.

Die NICO bleibt zunächst oft unbemerkt, da die Wunde nach der Extraktion des Zahns oberflächlich in kurzer Zeit verheilt. Der Wiederaufbau der Knochenstruktur im Kiefer wird aber, besonders bei ungesunder Ernährung, Rauchen, etc., oftmals gebremst, stattdessen siedeln sich Pilze, Viren und Bakterien an und zersetzen das Gewebe. Dies führt nicht nur zu Schmerzen in dem betroffenen Bereich, sondern kann mittelbar auch eine ganze Reihe von Erkrankungen im Körper auslösen, die zunächst nicht kausal in Verbindung gebracht werden können. Grund hierfür sind die weit verzweigten Nervenstrukturen, welche durch den Kiefer laufen und in alle Richtungen ausstrahlen können. Durch den Einsatz von dreidimensionalen Röntgenbildern und digitalen Volumentomografen (DVT) kann die Neuralgie induzierende Kavitäten bildende Osteonekrose von fachlich geschulten Zahnärzten, hier besonders von Vertretern der biologischen Zahnmedizin, diagnostiziert und behandelt werden.

In “In aller Munde” berichtet Nischwitz weiter, dass es ihm schon während der Behandlung, also noch auf dem Zahnarztstuhl des befreundeten Kollegen, praktisch schlagartig besser ging. In der Folge klangen die diffusen Beschwerden nach und nach hin zu einem vollständigem Heilungsprozess ab.


Die Beschreibung solcher Phänomene allein macht das Buch auch und vor allem für Sportbegeisterte schon lesenswert. Bedenkt man, dass viele Menschen über die Jahre mehr Zahnprobleme haben als nur extrahierte Weisheitszähne, dann stellt sich die Frage, wie hoch die Anzahl der chronischen körperlichen Beschwerden ist, deren Ursache gar nicht lokal verortet ist. Im Buch weist Nischwitz ebenfalls auf das unheilige Zusammenspiel verschiedener Metalle im Mundraum als Ursache von Beschwerden hin und wer Amalgam, Titan oder auch Gold verbaut hat, der sollte dies als Ursache von anhaltenden körperlichen Beschwerden zumindest in Betracht ziehen.

Mehr als nur Zahngesundheit

Nicht nur wenn es um eine neu gedachte ganzheitliche Zahnmedizin geht, vertritt Dominik Nischwitz eine deutliche Meinung, auch in Bezug auf Ernährung und Gesundheit hat er eine klare Strategie – welche sich dankbarerweise weitgehend mit meinen Ernährungsansätzen deckt. Zwar teile ich seine relativ Pauschale Kritik an (Kuh-)milchprodukten bisher nicht, davon abgesehen scheinen mir seine Ernährungsratschläge aber durchaus sinnvoll und erfrischend frei von jeglicher Ideologie zu sein. Sogar die verhängnisvolle Ernährungspyramide, mit welchem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung immernoch, derzeit in Form eines Ernhährungskreises, hausieren geht, hat Dr. Nischwitz sinnvoll umgebaut.

Tierische Proteine nehmen hier neben anderen gesunden Fetten eines festen Platz ein, hinzu kommen natürlich alle saisonalen Gemüsesorten (vor allem die Kaliumversorgung ist auch in Bezug auf Muskelaufbau hochinteressant. Diesbezüglich gibt es vielleicht noch mal einen eigenen Beitrag), seltener Obst als es die DGE empfehlen würde und bei Bedarf sorgfältig ausgesuchte Nahrungsergänzungsmittel.

Ich empfehle im Grunde jedem Menschen eine paleoartige Ernährung, also einen Ernährungsstil, bei dem wenig bis kaum Insulin ausgeschüttet wird.

Nischwitz entwickelt, quasi als Zugabe zum eigentlichen Thema des Buches, ein Ernährungsdesign, das graduell abstufbar und auf verschiedene Bedürfnisse anpassbar ist. Neben Zahngesundheit gibt es mit diesem Buch also ein kurzes, aber überraschend gutes Konzept für die allgemeine Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dennoch liegt der Schwerpunkt natürlich auf der Zahngesundheit und die Bekämpfung von chronischen Erkrankungen durch optimale medizinische Versorgung im Mundraum. Hat man auf Grundlage der Informationen im Buch ein vermeintliches Problem identifiziert, findet sich übrigens überraschend einfach in jedem größeren Ort ein Zahnarzt, der Verfechter der von Dr. Nischwitz propagierten biologischen Zahnmedizin ist.

Fazit: Geld- und Lesenswert, nicht nur für Menschen mit diffusen und langfristigen Gesundheitsbeschwerden, sondern auch für jeden, der sich für (Zahn-) Gesundheit interessiert. Das Buch In aller Munde: Unsere Zähne und ihre Bedeutung für die Gesundheit des gesamten Körpers ist übrigens auch für absolute Laien leicht lesbar, ich hatte die 270 Seiten tatsächlich in drei Sessions durch. Von mir gibt’s eine Kaufempfehlung.