Trainieren mit Mundschutz – Fitness für die Zähne (und die Muskeln)

Bedenkt man mein etwas fortgeschrittenes Alter, habe ich eigentlich sehr gute Zähne. Freundliche Gene und der frühzeitig erlernte Habitus des regelmäßigen Putzens haben dazu geführt, dass ich auch heute noch kraftvoll zubeißen kann. Bis auf ein paar Jugendsünden sieht das also top aus, allein: meine Zahnärztin verriet mir, dass ich beim Krafttraining zu stark die Zähne aufeinanderbeiße. Wenn meine Zahnärztin durch einen Blick in meinem Mund Details über mein Training weiß, dann ist irgendwas nicht in Ordnung.

Zahnschutz fürs Krafttraining

Wiederholung verstärkt. Forensiker können das Leben von jahrtausendealten Leichen rekonstruieren, weil wiederkehrende Tätigkeiten ihre Spuren hinterlassen. In meinem Fall heißt die wiederkehrende Tätigkeit Krafttraining und die Spur ist abgebissener Zahnschmelz auf der Zahnoberfläche. Eine Leiche bin ich noch nicht und bis es soweit ist, würde ich mir die gesunden Zähne gerne erhalten. Fakt ist aber, dass das jahrelange Training meine Zähne scheinbar geschädigt hat. Dabei muss die Zahngesundheit einem effektiven Training nicht im Weg stehen, wie eine Studie aus dem Sports Medicine and Rehabilitation Journal zeigt.

Das Tragen eines Mundschutzes beim Training ist keine ganz neue Idee. Durch die erschwerte Sauerstoffaufnahme, gerade bei kardiologisch anspruchsvollen Übungen, verspricht man sich einen beschleunigten Anpassungsprozess und damit natürlich auch einen Kraft-Ausdauer-Vorteil beim normalen Training ohne Mundschutz. Die Effekte hier sind umstritten. Lediglich die Tatsache, dass man mit dem Plastik im Mund wesentlich schwerer Luft bekommt, wird wohl jeder Kampfsportler bestätigen können. Die wage Aussicht auf eine verbesserte Sauerstoffaufnahme wird die meisten Kraftsportler aber sicher nicht überzeugen.


Kleiner Exkurs: Gründe für kaputten Zahnschmelz

Zu wenig Zahnpflege: Säure und Bakterien können den Zahnschmelz angreifen; bei unregelmäßiger Pflege kann dies den PH Wert im Mund verändern und zur Korrosion des Zahnschmelzes führen.

Falsche Zahnpflege: Falsches Putzen, z.B. ziehen und drücken, statt sanfte Kreisbewegungen, kann den Zahnschmelz Stück für Stück abschleifen, vor allem im Bereich der Schneidezähne.

Zähneknirschen: Psychischer Stress und hohe mentale Belastungen können dazu führen, dass weitgehend unbemerkt, vor allem nachts, die Zähne aufeinander reiben und hierdurch die Schutzschicht verlorengeht. Das Tragen einer Schiene kann hier Abhilfe schaffen und wird bei Bedarf von Zahnärzten verschrieben.

Mechanischer Druck: Das Aufeinanderpressen der Zähne ist ein Phänomen, das man vor allem aus Leistungssportarten und dem Kraftsport kennt. Gerade bei Pressatmung entsteht zumeist auch im Mundraum ein hoher mechanischer Druck, die Zähne werden aufeinandergepresst. Bei wiederholtem Training kann der Zahnschmelz dadurch nachhaltig geschädigt werden. Auch hier kann das Tragen einer Schiene oder eines Zahnschutzes Abhilfe schaffen.

Wichtig: Zahnschmelz kann geschützt, aber nicht neu gebildet werden, wie die Werbung suggeriert. Ist die Schutzschicht erst einmal beschädigt, können nur noch kosmetische Maßnahmen durch den Zahnarzt helfen.


Positive Effekte auf Cortisol und Laktat

Einige Wissenschaftler des Department of Health and Human Performances des Charleston College haben mit immerhin 15 Probanden eine Untersuchung gestartet, die tatsächlich positive Effekte des Mundschutzes beim Training mit Gewichten zutage gefördert hat und zwar statistisch signifikante Ergebnisse.

Getestet wurden bereits trainierte Athleten in der Übung Langhantelkniebeuge. Ausgerüstet mit dem ArmourBite® Mundschutz performten die Probanden mehrere Sätze mit 80% des Repetition Maximum (RM) nach gemeinsamem Aufwärmen mit einer Kontrollgruppe. Blutproben wurden jeweils vor, während und bis zu zwei Stunden nach dem Training entnommen. Ergebnis: die Mundschutz-Gruppe konnte nicht nur mehr Wiederholungen durchführen, die erhobenen Blutwerte vor allem nach der Belastung zeigten eine deutlich positivere Umgebung für Muskelwachstum.

 
© 2017 The Author(s).
W.D. Dudgeon, L.A. Buchanan, A.E. Strickland, T.P. Scheett & D.P. Garner

Die Ausschüttung von Cortisol während einer Trainingseinheit ist nicht nur unvermeidbar, das Stresshormon setzt auch Ressourcen im Körper frei, die für eine harte Trainingseinheit notwendig sind. Spätestens nach dem Training ist der Stoff im Körper allerdings persona non grata, denn Cortisol gehört zu den katabolen Hormonen, welche die für den Muskelaufbau gewünschte Proteinsynthese stören. Genau hier liefert die Studie aus Charleston interessante Ergebnisse, denn direkt nach dem Training (<30 min) steigt die Cortisolkurve nicht wie bei der Kontrollgruppe steil an, sondern fällt leicht ab.

 

© 2017 The Author(s).
W.D. Dudgeon, L.A. Buchanan, A.E. Strickland, T.P. Scheett & D.P. Garner

Ähnliche positive Veränderungen sind im Hinblick auf Laktatwerte im Blut schon während der zweiten Hälfte des Trainings zu verzeichnen. Die geringere Konzentration von Laktat wird mutmaßlich nicht nur zu der verbesserten Performance in Hinblick auf die ausgeführten Wiederholungen beigetragen haben, sie weist auch auf eine kürzere Regenerationszeit nach der Belastung hin. Da wir beim Krafttraining in erster Linie von anaerober Leistung sprechen, könnten diese Werte gerade für Vieltrainierer interessant sein.

Fazit

Wodurch der positive Effekt genau zustande kommt, konnten die Wissenschaftler leider nicht klären, hierfür sind, wie so oft, weitere Studien notwendig. Deshalb sind die Ergebnisse natürlich auch mit Vorsicht zu genießen, dennoch: nicht nur hinsichtlich der langfristigen Zahngesundheit, sondern auch aus sportpraktischen Gründen kann das Tragen eines Zahnschutzes sinnvoll sein.

Vollständiger Text der Studie

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Viel Spaß beim Training!